Fotos im Titelbild: André Rathgeber, TBV Erfurt · KI-bearbeitet
Die Landwirtschaft im Altenburger Land muss in diesem Jahr mit enormen Ernteausfällen rechnen, bilanziert der Kreisbauernverband Altenburg e.V. beim diesjährigen Nacherntegespräch. Bis auf die Wintergerste, die stabile Ergebnisse zeigt, sind andere Getreidearten ertraglich unter den Ergebnissen der Vorjahre. Beim Weizen- und Rapsertrag wurden vielerorts 25 % weniger Ernte eingefahren als die vergangenen Jahre. Die Wetterextreme, die geopolitischen Umstände mit Iran- und Nahostkonflikt sowie staatliche Vorgaben erschweren die Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Erzeuger jedoch auch enorm. Dennoch ist das Altenburger Land im Gegensatz zu ganz Thüringen noch am besten aufgestellt. Durch ertragsmäßige Einbußen sind auch die Umsatzerlöse stark gesunken, weil die Erzeugerpreise geringer ausfallen. Dahingegen steigen die Kosten beim Personal, Dieseleinkauf, Düngemittel und sonstigen Anschaffungen, sodass sich insgesamt die Lage zuspitzt. Trotz alledem ist die Qualität der Erzeugnisse gut vermarktbar nach Aussagen der Händler.
Ernte 2026 auf einen Blick
- Bis zu 25 Prozent weniger Ertrag bei Weizen und Raps
- Wintergerste mit stabilen Ergebnissen
- Gute Qualität, aber niedrige Erzeugerpreise und steigende Kosten
Stimmen und Aussagen der Gäste

KI-bearbeitete Bildmontage auf Grundlage eines Fotos von Jessica Paeschke.
Landwirtschaft bleibt Schlüsselbranche
Landrat Uwe Melzer verweist auf die Wichtigkeit der Landwirtschaft im Altenburger Land, denn „70 % unserer Flächen sind landwirtschaftliche Nutzfläche“ und signalisiert Offenheit für Gespräche, die den Arbeitsablauf der Betriebe vereinfachen können.
Braugerste gerät unter Preisdruck
Aus Sicht der nachgelagerten Betriebe schilderte Bastian Leikeim, einer der Eigentümer der Altenburger Brauerei GmbH, dass die Nachfrage an Bier gesunken ist, was wiederum zu weniger Bedarf führt. „Nichtsdestotrotz nehmen wir die Herausforderung an – zum Beispiel mit dem alkoholfreien Bier hier bei uns in der Brauerei. Und da braucht man auch Braugerste“, gibt sich Leikeim leicht optimistisch. Die sinkenden Absatzzahlen haben unmittelbare Folgen auf die Erzeugerpreise, welche die Landwirte mit ihrer Braugerste erzielen. Diese nähern sich dem Niveau der Futtergerste an. Qualitätsaufschläge existieren kaum noch.
Landwirtschaft wirtschaftlich unter Druck
Insgesamt bewirken die Betriebsmittelausgaben auf der Kostenseite enorme Wettbewerbsnachteile im Landkreis. „Das, was am Ende der Landwirt erhält, ist nicht das, was er versucht hat anzubauen oder zu kultivieren über das Jahr. Das wird sich nun sehr bei den Erträgen widerspiegeln“, befürchtet André Rathgeber vom Thüringer Bauernverband und ergänzt:
„Manche Landwirte sagen schon, wenn bei der Ernte plus minus Null rauskommt, dann ist das gut. Das zeigt, wie angespannt aktuell die Lage ist.“
André Rathgeber
Thüringer Bauernverband
Gute Qualität, schwache Erträge
Dass das Altenburger Land aus Sicht der Händler mit einem blauen Auge davongekommen ist, sieht Falk Heimer von der Agroservice Altenburg-Waldenburg eG. „Wir hatten eine ausgezeichnete Gersteernte, wesentlich mehr als die letzten Jahre. Und das auch mit einer guten Qualität. Die Ernüchterung setzt dann mit dem Raps ein. Die geringen Hektolitergewichte beim Weizen fehlen natürlich auch im Ertrag.“ Trotzdem sieht er die Ware gut vermarktbar. Die Qualitätsabstufung mit überwiegendem Anteil bei A ist noch zufriedenstellend, stuft Heimer ein.
Frühsaaten klar im Vorteil
Die „Gewinner“ des Jahres waren die Frühsaaten. Trotz eher qualitätsschlechteren Flächen durch Kippböden hat „am Ende eher der Saatzeitpunkt eine Rolle gespielt als die Qualität des Feldes. Umso eher man ausgesät hat, desto besser war der Ertrag“, fügt Denis Fischer von der Kriebitzscher Agrargenossenschaft eG an. „Daher ist die Wintergerte so überragend letzten Endes.“
Wasser wird zur Zukunftsfrage
Zwei Tage im Juni mit über 40 Grad Celsius haben darüber entschieden, dass die Ernte so schlecht ausfiel. Roberto Geier vom Obstgut Geier unterstreicht, dass man sich im Altenburger Land auf „den Klimawandel einstellen“ muss. Daher glaubt er für seine Apfelernte auf die Installation zur Tröpfchenbewässerung nicht mehr verzichten zu können. „Bis vor zehn Jahren hätte ich daran nie gedacht bei unserem Standort.“ Hier regt er aber die Politik an zu überlegen, wie bei steigernder Wasserknappheit die regionale Versorgung von Lebensmitteln gewahrt werden kann, wenn es zu Verboten der Wasserentnahme kommt.
Zusammenfassung
Außer der Wintergerste sind die Erträge in der Landwirtschaft im Altenburger Land bis zu 25 % eingebrochen, mancherorts sogar noch mehr. Wetterkapriolen (Hitze, Frost, Hagel) sorgen immer häufiger für Ernteausfälle, die die landwirtschaftlichen Betriebe nicht ausgleichen können. Qualitativ gibt es seitens der Vermarkter keine Schwierigkeiten. Einzig die Hektoliterzahl beim Weizen und Raps sind problematisch, auch für die Mühlenproduktion. Kurz- und mittelfristig muss seitens der Politik in Abstimmung mit den Landwirtschaftsbetrieben festlegt werden, wie die regionale Lebensmittelproduktion bei stärker werdender Wasserknappheit gesichert werden kann.

Foto: Jessica Paeschke; KI-gestützt bearbeitet.
August 2026
Jessica Paeschke
Presseverantwortliche Kreisbauernverband Altenburg e.V.
Freie Journalistin
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